Praxisgründung und -Übergaben

von Sascha Rodenbusch | Apr. 12, 2026 | Artikel

Praxisgründung - was steht im Marketing an?

Möglichst schnell Sichtbarkeit erzeugen, um wirtschaftlich zu werden.

1.Frühzeitige Online-Schaltung von Homepage und Terminbuchungsoptionen

Bei einer Praxisgründung besteht die Gefahr, das nach Öffnung der Türen keiner oder zu wenig Patienten hereinkommen, um Ihre Leistungen in Anspruch zu nehmen - dies ist vor allem bei Privatpraxen und Heilpraktikern der Fall.

Aber auch kassenärztliche Praxen sollten mindestens 3 Monate vor Praxisöffnung die Homepage, das Google-Business-Profil und die Terminbuchungsoptionen aufgestellt haben, damit die Suchmaschinen genug Zeit haben, Ihre Präsenz wahrzunehmen und den Nutzern anzubieten.

Doctolib und Google Ads sind wirkungsvolle Tools, um das (noch) schlechte Ranking auf Google zu kompensieren. Sobald Ihre Praxis ein gutes Ranking hat, was in der Regel ein paar Monate dauern wird, können die Google Ads zurückgefahren werden.

Ob Sie Doctolib langfristig nutzen möchten, ist Ihnen überlassen - bedenken Sie aber die Mindestvertragsdauer von einem Jahr.

2. Fotoshootings, Videoproduktion, Flyer, Visitenkarten, Broschüren, Schilder usw.

Das Dilemma einer Praxisgründung ist, dass Sie das Praxisshooting wahrscheinlich erst kurz vor Eröffnung durchführen können.

Die vorläufige Homepage sollte deshalb auf die wesentlichen Funktionen und die Suchmaschinenoptimierung (SEO) ausgelegt werden. Sobald das Foto- und Videomaterial verfügbar ist, wird entsprechend aufgerüstet, damit die Homepage besser konvertiert (den Traffic der Homepage in tatsächliche Anfragen überführt).

Für sämtliche Print-Medien (Flyer etc.) besteht ein ähnliches Problem - hier kann eine frühzeitige Konzeptionierung mit Texten etc. sinnvoll sein, damit die Print-Medien schnellstmöglich in den Druck gehen können, wenn das Fotomaterial vorliegt.

Praxisschilder hingegegen können meist frühzeitig erstellt und installiert werden - viele lokale Dienstleister bieten auch einen Montageservice an, den Sie aus Haftungsgründen präferiert nutzen sollten.

3. Durchsetzungsfähigkeit gegenüber den Mitbewerbern

Insbesondere Privatpraxen, Heilpraktiker und Medizintechnikfirmen haben bei einer Gründung das Problem, dass Sie sich gegen viele andere Anbieter, die im Einzugsgebiet wahrscheinlich schon länger aufgestellt sind, durchsetzen müssen bzw. eine Nische einnehmen müssen, die möglichst nicht mit den Mitbewerbern konkurriert.

Deswegen gilt hier der Grundsatz: Wenn Sie eine Praxis gründen, müssen Sie MINDESTENS so gut aufgestellt sein wie Ihre direkten Mitbewerber.

Ansonsten verschenken Sie viel Geld, weil die Nachfrage zu langsam oder gar nicht anlaufen kann. Hier müssen wir klar sagen, dass oft am falschen Ende gespart wird.

4. Attraktiver Arbeitgeber werden

Als Praxisgründer werden Sie relativ plötzlich mit Bereichen konfrontiert, die Ihnen womöglich fremd sind:

  • Buchhaltung
  • Steuermanagement
  • Mitarbeiterführung
  • Prozessmanagement
  • Inventarverwaltung
  • Marketing

All diese Dinge sind allerdings wichtig, um auch effektiv an gute Mitarbeiter heranzukommen. Gute Fachkräfte sind im heutigen Arbeitsmarkt eher Mangelware - sprich eine gute MFA kann sich beispielsweise Ihren Arbeitgeber fast aussuchen.

Auch hier werden Sie anhand Ihrer öffentlichen Präsenz mit Ihren Mitbewerbern verglichen und Sie könen sich wieder die Frage stellen:

Was ist der wahre Preis einer schlechten, öffentlichen Präsenz? Was kostet es, "schlechte" Mitarbeiter anzuziehen?

Mit unserem (meinem) Hintergrund als MFA und im Praxismanagement sind mir diese Themen nur allzu gut vertraut, weswegen es auch hier wieder sinnvoll wäre, sich zumindest eine Zweitmeinung bei uns einzuholen.

Vor der Praxisübergabe den Marktwert steigern

Vor dem Verkauf den Marktwert möglichst erhöhen

1. Homepage überarbeiten

Hier ein bewusst sehr einfaches Szenario, um das Prinzip zu beschreiben:

  • Nehmen wir an, Sie würden mit einer modernisierten Homepage Ihren Jahresgewinn um 10% steigern.
  • Nehmen wir außerdem an, dass diese Maßnahme ca. 5000 € gekostet hat (typischer Preis für eine mittelgroße Arztpraxis).

Frage an Sie: Wie schnell hätte sich die Homepage rentiert? 

In der Regel rentiert sich ein solcher Invest relativ schnell. Wichtige Faktoren dabei sind:

  • Eine bessere Auffindbarkeit Ihrer Praxis für wichtige Schlüsselbegriffe (Keywords).
    • Somit mehr Patientenanfragen für die Leistungen, die für Sie wirtschaftlich effizient sind.
  • Ggf. eine Online-Terminvergabe, die Ihr Praxisteam entlastet.
    • Höhere Mitarbeiterzufriedenheit und mehr Zeit für wichtige Tätigkeiten.
  • Höhere Konvertierungsrate Ihrer Homepage - sprich mehr Leute, die Ihre Homepage besuchen, werden auch tatsächlich vorstellig.

 

2. Privat- und Selbstzahlerleistungen besser vermarkten

In der Regel ist es relativ leicht, eine Praxis, die kassenärztliche Leistungen anbietet, auszulasten.

Im Endeffekt haben solche Praxen aber schnell des Problem, das sie trotz sehr viel Arbeitsaufwand nur relativ wenig Gewinn erzielen, weil die Abrechnung über die gesetzliche Krankenkasse eher ineffizient ist.

Deswegen ist es fast Standard, dass Praxen auch Privat- und Selbstzahlerleistungen (iGeL) anbieten. Sobald ein Patient allerdings eine Leistung selbst zahlen muss, muss auch die Sinnhaftigkeit der Leistung ansprechend und informativ dargelegt werden.

Hier können Patientenaufklärungsfilme, Flyer, eine gute Homepage und weitere Hilfsmittel sinnvoll sein. 

Auch hier gilt: Wenn Sie mit einem Invest von ein paar hundert bis tausend € erreichen, das pro Jahr 10% mehr Privat- und Selbstzahlerleistungen in Anspruch genommen werden, ist dies in der Regel schon ein großer Gewinn.

Sie sehen, dass Sie selbst mit nüchternen Berechnungen große Vorteile erzielen können.

3. Ist Social Media sinnvoll?

Im Medizinbereich unterliegen Sie der Berufsordnung für Ärzte/Heilpraktiker, dem Heilmittelwerbegesetz und dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.

Kurz gesagt:

  • Social Media funktioniert, wenn emotionale Resonanz erzeugt wird.
  • Dazu benötigen Sie Inhalte, die eindrucksvoll, polarisierend oder reißerisch sind. Allerdings ist genau diese Art von Information im Medizinbereich verboten.
  • Viele Praxen wandeln hier auf einem schmalen Grat oder übertreten diesen schon offensichtlich, um für ihre Leistungen zu werben.
  • Im Sinne einer Risikoabwägung können Sie sich natürlich entscheiden, trotzdem solche Inhalt erstellen zu lassen. Da aber die Konsequenzen einer Abmahnung sehr individuell ausfallen können, ist es schwierig, Kosten und Nutzen korrekt vorherzusagen.
  • Dazu kommt, dass die Pflege von Social-Media-Kanälen oft sehr aufwendig ist. Das Erstellen von Inhalten, die Veröffentlichungen und das Beantworten von Kommentaren sind alles Dinge, die viel Zeit kosten.
  • Außerdem ist die Resonanz auf medizinische Inhalte auf diesen Plattformen oft eher nüchtern - die Nutzer sind in der Regel dort, um Ihre Freizeit zu gestalten, nicht um sich mit Krankheiten zu beschäftigen.

Insgesamt raten wir also eher davon ab, als Praxis einen Social-Media-Kanal aufzubauen, da diese Maßnahme, besonders im Vergleich zu anderen Methoden, einfach zu ineffizient und riskant ist.

Ein Tipp dazu:

Schauen Sie gerne mal auf Instagram & Co., welche medizinischen Kanäle erfolgreich sind. Schauen Sie sich an, wie viel Arbeit in diese Kanäle gesteckt wird - und dann versuchen Sie mal, all die tausenden von Kanälen zu finden, die genau so viel Arbeit in dieses Marketing stecken, aber fast keine Resonanzen erhalten. Das Ergebnis sollte sehr ernüchternd ausfallen, weil die Plattform einfach nicht gut für den medizinischen Bereich funktioniert.

3. Werbung schalten (Google Ads)

Anstatt Ihr Budget für Social Media auszugeben, empfehlen wir die Nutzung von Google Ads, um gezielt Anfragen für bestimmte Keywords zu "kaufen". Hier ein paar Beispiele:

  • "Vitamin C Infusion Hamburg"
  • "Apherese Bonn"
  • "Akupunktur Praxis in der Nähe"
  • "Guter Osteopath Hannover"
  • "Entgiftung mit Chelat Therapeut"

... Und so weiter. In der Google-Ads-Kampagne sehen wir außerdem, wie die Keywords performen und können uns auf diejenigen fokussieren, die Ihnen wirklich Patienten in die Praxis bringen, anstatt nur heiße Luft auf Ihrer Homepage zu erzeugen (Traffic ohne Conversions).

Somit haben wir kein Problem mit den rechtlichen Lage im Gesundheitsbereich und können die Patienten da abholen, wo sie bereits nach der Leistung aus eigenem Interesse suchen.

Sie können die Budgets für Google Ads jederzeit dynamisch anpassen. Falls Sie zum Beispiel in den Urlaub fahren oder Ihre Praxis zu stark ausgelastet ist, drehen Sie den Geldhahn einfach zu.

Wichtig dabei:

Google Ads sind vor allem dazu da, bestehende Suchvolumen, also Keywords, die bereits regelmäßig von Patienten recherchiert werden, einzufangen.

Falls Sie völlig neue Leistungen oder Geräte in den Markt bringen möchten, wird diese Methode nur schlecht funktionieren - dies wäre tatsächlich der Fall, wo über eine Social-Media-Kampagne nachgedacht werden könnte.

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